Jahrgangsbericht 2014

Die Weißweine gefallen mit ausgeprägter Aromatik und perfekter Pikanz, die Rotweine sind farbtief, strukturiert und gehaltvoll – ein trinkfreudiger Jahrgang 2014 steht bereit. Doch so erfreulich das Ergebnis im Keller ist, so herausfordernd war der Weg dorthin …

Angefangen hat das Weinjahr ja ganz gut, mit einem milden Winter und einem warmen Frühling. Auch die frühe Blüte Anfang April ließ noch auf eine frühe Ernte schließen. Doch der Optimismus wandelte sich rasch in Niedergeschlagenheit – im wahrsten Sinn des Wortes. Das weitere Stichwort für die kommenden Wochen und Monate hieß „Niederschlag“, begonnen mit dem nassesten Mai seit 1820, der auch kühler als im langjährigen Durchschnitt war.

Ein nochmaliges Aufatmen brachte die frühe Verfärbung der Trauben Mitte Juli, was auf einen „normalen“ Lesestart Anfang September hinauszulaufen schien – doch weit gefehlt, die Reife wollte sich einfach nicht einstellen. In den Sommermonaten zeigte sich die Sonne kaum, dafür waren die Niederschläge wieder umso reichlicher. Jetzt hieß es Laubarbeit, Laubarbeit und nochmals Laubarbeit: aufgrund der feuchtwarmen Witterung und des damit verbundenen schnellen Triebwachstums ein äußerst schwieriges Unterfangen, das von unserem erfahrenen Team jedoch perfekt gemeistert wurde.

Ganz besonders wichtig war das Entblättern im Bereich der Traubenzone, das für die Entwicklung der Trauben einen dreifachen Nutzen hat: bessere Belichtung (mehr Farbstoffausbildung bei Rotwein), bessere Durchlüftung (weniger Krankheitsdruck) und besseres Abtrocknen nach Niederschlägen. Diese aufwendige Arbeit in den Weingärten beschäftigte uns über einen Zeitraum von sechs Wochen, doch sie war mit Gold nicht aufzuwiegen, betrachtet man den Witterungsverlauf im sogenannten „Sommer“, der eigentlich keiner war.

Ende Juli entschieden wir uns zur Begrünungseinsaat in den nicht begrünten Rebzeilen, eine ungewöhnliche Maßnahme zu diesem Zeitpunkt, mit Sicherheit aber ein genialer Schachzug. Drei Wochen vor Lesebeginn mussten die Reben 150 Liter Regen pro m² über sich ergießen lassen. Erfreulicherweise hat die Begrünung viel von den starken Niederschlägen aufgenommen und verhindert, dass die Trauben in der Reifephase aufplatzten. Ab Ende August wurde bei den Frühsorten wie Müller-Thurgau und Neuburger mit Selektionsarbeiten im Weingarten begonnen, wobei faulende Trauben auf den Boden geschnitten wurden, um eine Infektion der gesunden Trauben zu verhindern.

Die spannende und herausfordernde Ernte zog sich dann über vier Wochen: vom Lesebeginn am 17. September mit den Sorten Müller-Thurgau (geerntet mit 16 °KMW) und Neuburger (geerntet mit 17 °KMW) bis zum Leseende am 17. Oktober mit den Rotweintrauben vom Cabernet-Sauvignon und Merlot (geerntet mit 19 °KMW). Aufgrund der genannten Vormaßnahmen wie Entblätterung oder Begrünungseinsaat verlief alles sehr gut, das Ergebnis waren kerngesunde, reife Trauben. Also eine ideale Basis für die weitere Verarbeitung, was sich einige Wochen später in Form sehr gut entwickelter Jungweine mit frischer Frucht zeigt.